La Montaña Azul
in Costa Rica

Pragata ist Mitbegründer des Shaolin Wahnam Zentrums „La Montaña Azul“ in Costa Rica. Er schuf den Platz Anfang des Jahrtausends zusammen mit seiner Frau Anja Swaha Tiefensee, seinem Freund Rama Roberto Lamberti und dessen Frau Adelaida Nieto. Von 2002 bis 2009 war er dort ansässiger Lehrer.

www.shaolin-wahnam-center.org

Die Geschichte, erzählt von Pragata:

Nachdem es mich 20 Jahre lang immer wieder nach Indien, meiner Liebe, getrieben hat, sagte ich eines Tages zu meinem Freund Rama, den ich aus Indien kannte und mit dem ich Qi Gong auch schon praktiziert hatte, bevor ich Großmeister Wong Kiew Kit kannte, dass es mir eine große Freude wäre, mit ihm zusammen den Kontinent Lateinamerika zu entdecken.

Als Rama 2001 Kurse für Sifu Wong in Kolumbien organisierte, schloß ich mich ganz selbstverständlich diesem Abenteuer an. Zusammen besuchten wir drei einen alten heiligen mesoamerikanisch-indianischen Kraftplatz an einem nahegelegenen Berg namens Iguaque, den Rama einige Jahre zuvor auf seiner Suche nach amerikanisch-indianischen Traditionen entdeckt hatte.

Hocherfreut von der Schönheit und ursprünglichen Energie des Berges dämmerte eine Vision in ihm: ein Shaolin Tempel auf diesem natürlichen Heiligtum der Pachamama, der Mutter Erde der Inkas. Uns allen war die Großartigkeit eines solchen Projektes unmittelbar klar und Sifu sagte einfach nur: „Macht es!“

Danach verließ Sifu Südamerika, um seinem eigenen Lehrprogramm auf der ganzen Welt zu folgen. Rama und ich nahmen unsere Pilgerfahrt ins Inkaland auf, reisten durch die peruanischen und bolivischen Anden, ein Abenteuer von dem wir bereits geträumt hatten, als wir noch in Indien an den Ufern des heiligen Flusses Ganges im Himalaya saßen.

Von Cuzco bis Macchupicchu und am Titicacasee erfuhren wir an diesen außerordentlich erstaunlichen Orten die wundersamen Qualitäten des Chi Gong, das Sifu Wong uns freundlicherweise gelehrt hatte. Die Vision eines Tempels des Lernens und Praktizierens der Shaolin Kampfkünste blieb die ganze Zeit über sehr lebendig in unseren Gedanken und Herzen.

Dann, angefüllt mit dieser Lebensenergie in unseren Herzen und bereit, es in andere Länder zu tragen, gingen wir beide wieder unsere eigenen Wege. Kurz danach fühlte Rama einen starken Drang nach Costa Rica zu gehen. Er wußte, dass dies ein gutes und sicheres Land in Zentralamerika war, eine Art lateinamerikanische Schweiz, die 1957 die Armee abschaffte und das freiwerdende Budget ins soziale und kulturelle Wohlergehen des Landes investierte. Er wusste darüber hinaus, dass ein Drittel des Landes aus Nationalparks und geschützten Gebieten von unglaublich vielfältiger ursprünglicher natürlicher Schönheit bestand.

Offen und aufmerksam, immer nur einen Schritt auf einmal machend, den Zeichen des Lebens folgend, die ihm permanent gesandt wurden, reiste er in vier Monaten vier Mal nach Costa Rica und ließ sich so zu den Ausläufern des Gebirges Chirripó führen, den höchsten Bergen des Landes. Sofort fühlte er sich zu Hause in einer Atmosphäre, die ähnlich wie die von Macchupicchu Kraft, Frieden und Schönheit ausstrahlte.
 
Im Flow des Lebens, das unser Projekt von Anfang an begleitete, begegneten wir einer wunderbaren Familie vor Ort, die uns anboten, uns einen Teil ihres Landes für unser Zentrum zu verkaufen: 96 Hektar unberührter Erde und Flüsse an der Grenze zum Chirripó Nationalpark. Treue hart arbeitende Helfer erschienen und unsere Vision konnte anfangen Realität zu werden. Die Arbeit begann unmittelbar mit der Erschließung der Infrastruktur (Straßen, Bodenhöhen, Elektrizität, Wasser) und die erste Hütte war schnell gebaut.

Sifu wurde eingeladen die Örtlichkeit zu überprüfen und in einem Moment verzückten Glücklichseins sagte er: „Hier ist der verborgene Garten der Zeitlosigkeit“ … und diesen abschreitend erklärte er: „Ich bin so glücklich, ich bin so glücklich“. Kurz darauf bestätigte noch ein Feng Shui Meister die Außerordentlichkeit des Platzes und gab uns Richtlinien bezüglich des Baus unseres Tempels.

In der Zwischenzeit erhielt ich eine Email von Rama, der mir all dies beschrieb. Ich sprach mit Swaha, meiner geliebten Gefährtin. Sie wiederum sprach mit Camilla, ihrer damals 14jährigen Tochter. Wir beschlossen, alle gemeinsam dort hinzufahren, um uns selbst eine Meinung zu bilden. Ich sagte alle meine Termine ab und flog nach San Jose. Rama wartete dort bereits auf mich. Er brachte mich zum „versprochenen Land“: ein riesiges Grundstück am Ende der letzten dreckigen Straße des Tales an der Grenze zum Nationalpark. Wir waren die einzigen Menschen auf dem Berg. Alle anderen Bewohner lebten tiefer am Berg. Ich hatte schon einmal vor 25 Jahren aus dem Nichts ein traumhaftes Anwesen in Südfrankreich gezaubert. Ich war vertraut damit, ein Pionier zu sein und etwas aufzubauen. Ich mochte die Herausforderung. Zwei Wochen später kam Swaha mit Camilla. In ihrer ersten Nacht, Camilla schlief in einem kleinen Zelt, kam eine Gruppe von Coyoten vorbei, um uns auszuchecken. Camilla hörte, wie sie um ihr Zelt schlichen und ihre Anwesenheit darin erschnüffelten und sie begann zu verstehen, dass sie Teil eines außerordentlichen Abenteuers war. Während der folgenden Tage wanderten wir dieses wilde und verzauberte Land rauf und runter und stellten uns all die Möglichkeiten, die sich uns boten, vor, bis Camilla schließlich zu ihrer Mutter sagte: „Macht es, und macht es erfolgreich!“

Diese Worte gaben uns grünes Licht. Camilla ging zurück nach Dänemark in ein großes innovatives Internat und Swaha und ich blieben dort, bereit, uns voll und ganz auf dieses außergewöhnliche Abenteuer in Partnerschaft mit Rama einzulassen. Swaha gab ihre Karriere als Theater- und Opernbühnenbildnerin in Dänemark auf – und bekam die Chance, eine ungleich größere Bühne zu gestalten: nämlich das, was einmal La Montana Azul werden sollte, ein hervorragendes Retreat Center mitten im Gebirge, das den Shaolin Wahnam Tempel des Lernens und Übens zum Zentrum haben und bis zu 40 Gästen alle Bequemlichkeiten bieten sollte. Swaha, Rama und ich gossen alle unsere Bemühungen, unser Geld und unsere Talente in dieses Projekt und im Februar 2004 kamen Schüler und Praktizierende des Qi Gong und Tai Chi Chuan aus der ganzen Welt, um den Tempel unter der Schirmherrschaft und Präsenz des Großmeisters Wong Kiew Kit einzuweihen.

Das Leben ging weiter in La Montaña Azul, jedes Jahr brachte neue Elemente von Schönheit. Camilla besuchte uns regelmäßig für längere Zeiträume, wurde eine zeitlich begrenzte Qigong und Tai Chi Chuan Übende. Meine eigenen Töchter Vanessa und Felicie kamen auch zu Besuch, ebenso mein Bruder – aber keiner unserer Freunde, für die Lateinamerika nicht auf ihrem Weg lag.

Im Laufe der Jahre bekamen Swaha und ich das Gefühl, dass wir zu weit entfernt waren von unseren Wurzeln, unseren Familien und Freunden. Wir liebten Lateinamerika, seine Menschen, die Einwohner unseres Tales, mit denen wir wunderbare Verbindungen eingegangen waren – aber eine Sehnsucht nach Europa zurückzukehren überfiel uns, näher zu unseren Töchtern, zum Bruder, zu lieben Freunden und Indien. In 2009 schließlich waren wir soweit, unseren Anteil an begierige Latinos abzugeben, die bereit waren dort in das Abenteuer einzusteigen, wo wir es verließen. La Montana Azul lebt nun ohne uns weiter. Rama und seine Frau Adelaida führen nun diesen Platz und ein Team aus Lateinamerikanern aus Costa Rica, Venezuela und Kolumbien haben unseren Anteil übernommen.

Und was uns betrifft – wir fangen nochmal ganz von vorne an, dieses Mal in Portugal, im wilden südwestlichsten Platz Europas, nahe bei unseren Freunden und unserer Familie. Wenn wir zurückschauen auf das, was wir geschaffen haben, haben wir das Gefühl ein herausragendes Stück Kunst kreiert zu haben, Kunst, die durchaus als Meisterstück bezeichnet werden darf. Wir haben uns mit ganzem Herzen dieser Aufgabe verschrieben; wir verlassen das Paradies, das wir erschufen, ohne Bedauern. Die Aufgabe ist beendet, der Kreis hat sich geschlossen.

Das Leben geht weiter. Neue Abenteuer warten. Alles ist gut. Wir sind gesegnet.